Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter

ADHS Positionspapier

 

Was ist ADHS?

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung äußert sich durch Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und körperlicher bzw. innerer Unruhe (Hyperaktivität). Die Erkrankung gehört zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Bei Kindern und Jugendlichen wird eine Häufigkeit von ungefähr 5 % angegeben, wobei Jungen in etwa 4-mal häufiger diagnostiziert werden als Mädchen. In bis zu 60 % der Fälle bleibt ADHS im Erwachsenenalter vollständig oder als Teilsymptomatik bestehen.
ADHS tritt oft in Begleitung anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen oder Suchterkrankungen auf. Die Diagnose der ADHS wird auf Basis wissenschaftlicher und klinisch fundierter Untersuchungsmethoden anhand internationaler Klassifikationssysteme (ICD, DSM, Wender-Utah-Kriterien) gestellt.

 

Was können Anzeichen für ADHS sein?

  • Leichte Reizbarkeit/Explosivität
  • Schnell wechselnde Stimmungslage
  • Gesteigerte emotionale Empfindlichkeit
  • Desorganisiertes Verhalten
  • Problemen, die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten
  • Erhöhte Stressempfindlichkeit

Ursache

Der genaue Entstehungsmechanismus der ADHS ist aktuell noch nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass genetische Faktoren die Vulnerabilität für die Entwicklung einer ADHS-Symptomatik erhöhen. Umweltfaktoren wie zum Beispiel Belastungen während der Schwangerschaft (mütterlicher Nikotinkonsum) und Komplikationen bei der Geburt (Frühgeburt) können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auf biochemischer Ebene gilt ein Zusammenhang zwischen der ADHS-Symptomatik und einer gestörten Signalübertragung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin als wahrscheinlich.

Verlauf

Die hyperkinetischen Symptome (motorische Unruhe) lassen im Übergang zum Erwachsenenalter häufig nach. ADHS bei Erwachsenen ist eher durch Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit sowie der Affekt- und Impulsregulation gekennzeichnet.

 

Wie lässt sich ADHS behandeln?

 

Psychotherapie und Psychoedukation

Bei Kindern mit ADHS haben sich Schulungen und Beratungen der Eltern (inklusive Psychoedukation) zur Verbesserung von Erziehungsverhalten und Verständnis der Symptomatik bewährt.
Im Erwachsenenalter wird eine individuelle Therapie, in der Regel (kognitive) Verhaltenstherapie eingesetzt. Auch hier ist die Psychoedukation (Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Wissen über die Erkrankung) ein wichtiger Bestandteil. Je nach Möglichkeit und Alter des Patienten werden Angehörige, Partner, Lehrer und Erzieher mit in den Behandlungsprozess eingebunden.

Medikamentöse Therapie

Unter Berücksichtigung von Alter, Schweregrad der Symptomatik, Wirksamkeit vorheriger psychosozialer/psychotherapeutischer Behandlungen sowie der Präferenz von Patient/in und Familie kann eine pharmakotherapeutische Intervention erwogen werden. Die derzeitigen pharmakotherapeutischen Maßnahmen zur Behandlung der ADHS (zum Beispiel Methylphenidat, Amphetamin, Atomoxetin) basieren auf der Annahme einer gestörten Signalübertragung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin in verschiedenen funktionellen Bereichen des Gehirns.

Weitere Informationen zur Diagnostik und den Behandlungsmöglichkeiten in unserer Klinik finden Sie auf der Seite der ADHS-Ambulanz.
Interessieren Sie sich für eine unserer Studien zu ADHS? Informationen über aktuelle Studien der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie finden Sie hier.