Diagnostik

Am Anfang jeder Diagnostik steht die ausführliche fachtherapeutische Anamnese. Hier werden die aktuellen Beschwerden in den Zusammenhang mit dem bisherigen (Krankheits-)Verlauf, der aktuellen Lebenssituation und Lebensentwicklung gestellt. Ihr behandelnder Arzt wird Sie über die erweiterten Möglichkeiten der psychologischen Diagnostik gerne informieren.
In der Diagnostik gehen wir nach folgenden Prinzipien vor:

  • Die Diagnostik psychischer Krankheitsbilder (z.B. Depression, Angststörung, Schizophrenie) erfolgt nach international anerkannten Kriterien (ICD-10, DSM-V) auf der Grundlage des psychopathologischen Befundes und des Krankheitsverlaufs.
  • Dabei wissen wir, dass jede psychische Krankheit bei jedem Patienten eine sehr persönliche Ausgestaltung hat. Daher arbeiten wir nach einem ganzheitlichen Konzept und betonen den seelisch-körperlichen und sozialen Gesamtbezug.
  • Verhaltenstherapeutische Psychotherapie (KVT, IPT, CBASP) erfordert genaue vorherige Verhaltensanalysen: So werden zum Beispiel typische Problemsituationen, Konflikte, Rollenwechsel und belastende Erlebnisse des Patienten im Detail besprochen. In speziellen strukturierten Interviews kann ein umfassenderes Bild der Symptomausprägung, der Persönlichkeitsstruktur und der vorhandenen Ressourcen, Potentiale und Möglichkeiten gewonnen werden.
  • Manchmal sind auch Hirnfunktionen (z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Auffassung, Vorausplanen) beeinträchtigt. Dann kann eine neuropsychologische Diagnostik zur klinischen Differentialdiagnostik beitragen. So können bspw. Störungen der Gedächtnisfunktion mit speziellen Testverfahren objektiv erfasst werden. Bei vielen Patienten ist die Frage nach der kognitiven Leistungsfähigkeit wichtig für die Beurteilung ihrer Belastbarkeit in Beruf oder Ausbildung. Falls indiziert, führen wir ergänzend bildgebende Untersuchungen des Gehirns durch.
  • Zusammen mit dem Patienten wird ein gemeinsames Verständnis der Krankheit und ihrer Entstehung erarbeitet (Psychoedukation). Bei Behandlungsentscheidungen legen wir großen Wert auf die Abstimmung des Krankheitskonzepts und des Therapieplans mit dem Patienten (patient-shared decision making).

 

Körperliche Diagnostik

a) Abklärung und Mitbehandlung von körperlichen Krankheiten

Unsere Klinik garantiert ein hohes Maß an fachärztlicher Kompetenz auch in der somatischen Medizin:

  • Bei der Aufnahme erhält jeder Patient eine ausführliche körperliche Untersuchung. Klinisch-chemische Laboruntersuchungen und ein EKG gehören zu den Routineuntersuchungen.
  • Für die medizinische Diagnostik stehen im Neurozentrum modernste Geräte zur Verfügung (u.a. EEG, Sonografie, Dopplersonografie, Computertomografie, Magnetresonanztomografie).
  • Aufgrund der räumlichen Nähe zu praktisch allen medizinischen Fachkliniken der Universität können entsprechend notwendige Zusatzuntersuchungen problemlos und zeitnah erfolgen. Ebenso sind bei entsprechender Indikation aufwendige Funktionsuntersuchungen des Gehirns möglich, wie z.B. PET oder SPECT. Aufgrund dieser Möglichkeiten behandeln wir viele Patienten, die neben der psychischen Erkrankung auch an behandlungsbedürftigen körperlichen Erkrankungen leiden.
  • Die somatische Diagnostik und Therapie erfolgt in Abstimmung mit den anderen Klinken des UKB (Konsile, ggf. kurzfristige Verlegung in somatische Abteilungen).

b) Sicherheit der medikamentösen Therapie

Optimierung und Sicherheit sind zentrale Anliegen für einequalitätsgesteuerte medikamentöse Therapie:

  • In unseren Behandlungsprogrammen gewährleisten regelmäßige Kontrollen von Nebenwirkungen (z.B. EKG-Kontrollen, klinisch-chemisches Routinelabor) die Arzneimittel-Sicherheit in der Therapie mit Psychopharmaka.
  • Die Optimierung des Behandlungserfolges und die Kontrolle von Nebenwirkungen wird zudem über eine regelmäßige Plasmaspiegelüberwachung (d. i. Messung der Konzentration des pharmakologischen Wirkstoffs im Blut) im eigenen Labor ermöglicht: das TDM (Therapeutisches Drug Monitoring). Die Verstoffwechselung von Medikamenten unterliegt nämlich großen interindividuellen Schwankungen, die teils genetisch sein können, aber auch durch körperliche Erkrankungen (z.B. eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion) und Beikonsum von Nikotin oder Koffein beeinflusst werden. Die Überwachung der Plasmaspiegel erlaubt es, individuelle Überdosierungen (und damit Nebenwirkungen) sowie auch Unterdosierungen (und somit oft mangelnde Wirksamkeit der Medikamente) zu vermeiden. Sämtliche Leistungen im Rahmen des TDM unterliegen einem strengen Qualitätssicherungsverfahren im Labor.