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Karneval - Trinken bis der Notarzt kommt?



Neben Feiern und Spaß gehört zu Karneval für viele auch der Konsum von Alkohol dazu. Gerade Jugendliche gehen dabei ein hohes Risiko ein, denn der Grad zwischen Genuss und Missbrauch ist schmal. Daher hatten jetzt das Bonner Universitätsklinikum und „update“, die Suchtberatungsstelle der Caritas und Diakonie, Jugendliche in das Notfallzentrum Bonn eingeladen. Zwölf Schüler der Klasse 9 der Otto-Kühne-Schule konnten sich einen Eindruck verschaffen, wie gefährlich Alkoholmissbrauch ist.


Gerade an Karneval wird aus Spaß plötzlich Ernst. Im Notfallzentrum herrscht dann Hochbetrieb. Alkohol ist ein häufiger Grund für die Einlieferung - auch von Jugendlichen. „Das Rauschtrinken bis zur Bewusstlosigkeit schaltet oft lebenswichtige Reflexe aus. Beim Erbrechen kann der Betroffene sogar ersticken“, warnt Dr. Ingo Gräff, Ärztlicher Koordinator des Notfallzentrums Bonn. Daher sei es bei einem Bewusstlosen vor allem wichtig, die Atemwege mit einem Tubus zu sichern. Die Bonner Ärzte demonstrierten den Schülern zudem Maßnahmen wie Magenauspumpen und Kreislaufstabilisierung bei einer akuten Alkoholvergiftung.

Eine Stunde lang gewannen die Schüler Einblicke in das Notfallzentrum Bonn auf dem Venusberg. Der Schockraum ist mit allen notwendigen Geräten eingerichtet, um Patienten in einer solchen lebensbedrohlichen Situation zu behandeln. Vorträge erläuterten die körperlichen und psychischen Wirkungen des Alkoholkonsums bei Jugendlichen. „Je jünger, desto gefährlicher ist der Alkohol“, warnt Dr. Chiravat Udomkaewkanjana, Arzt an der Medizinischen Klinik I. Denn der junge Körper baut die Gifte viel langsamer ab. Alle Prozesse geraten daher viel schneller außer Kontrolle als bei einem Erwachsenen. Sogar akute Hirnschäden drohen. Die Unfallgefahr und die Gewaltbereitschaft steigen. Betrunkene Mädchen werden überdurchschnittlich häufig Opfer von sexueller Gewalt. „Doch Alkohol zu trinken, gilt unter vielen Jugendlichen als cool“, sagt Stefan Paschmann von der Suchtberatungsstelle „update“. Beim immer populärer werdenden „Komasaufen“ wird in kurzer Zeit sehr viel Alkohol getrunken - mit möglicherweise tödlicher Konsequenz. „Wir wollen den Jugendlichen bewusst machen, welche Folgen dieser Konsum hat“, sagt Paschmann.

Wann ist der Punkt Hilfe zu holen?

Eine Frage lag den Jugendlichen besonders am Herzen: Was tun, wenn jemand zuviel getrunken hat und nicht mehr ansprechbar ist? In diesem Fall sollte man sofort den Rettungsdienst anrufen. Bei Bewusstlosigkeit sollte man den Betrunkenen in die stabile Seitenlage bringen. So kann er nicht an seinem Erbrochenen ersticken – eine sehr große Gefahr in diesem Zustand. „Hört einfach auf euren Bauch und zögert nicht den Notruf 112 zu wählen. Die Leitstelle entscheidet, welche professionelle Hilfe notwendig ist“, sagt Gräff.

Zum Glück endet nicht jeder Promillerausch wirklich im Krankenhaus. „Doch bei Jugendlichen kann auch die Zeitspanne bis zu einer Abhängigkeit kürzer sein“, sagt Udomkaewkanjana. Langfristig gesehen drohen neben ernsthaften Schädigungen vor allem der Leber und des Hirns auch die soziale Isolation sowie das schulische oder berufliche Abseits. „Durch unsere tägliche Arbeit wissen wir, wie verheerend die Folgen des Alkoholmissbrauchs sein können und wie sehr Jugendliche darunter leiden. Deshalb ist ein Besuch in einem Schockraum, wo komatöse alkoholisierte Jugendliche notversorgt werden, eine wichtige Ergänzung unserer Präventionsarbeit“, sagt Paschmann.

Eine wichtige Botschaft nahmen die 14-Jährigen Schüler, die eine solche Veranstaltung vor Karneval toll fanden, noch mit auf dem Weg: Auch wenn sie einen Betrunkenen nicht am Auto fahren hindern können, auf jeden Fall aus Selbstschutz nicht mitzufahren.

Das Bild zu dieser Pressemitteilung gibt es im Internet unter http://www.uni-bonn.de >> Aktuelles >> Presseinformationen.

Kontakt für die Medien:
Dr. Ingo Gräff
Ärztlicher Koordinator des Notfallzentrums Bonn
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-12060
E-Mail: ingo.graeff@ukb.uni-bonn.de

Procula Glien
Notfallzentrum Bonn des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287- 12013
E-Mail: procula.glien@ukb.uni-bonn.de

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Stefan Paschmann
Fachstelle für Suchtprävention – Kinder-, Jugend-, Elternberatung,
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