Robotische Chirurgie
Überblick
Robotische Chirurgie oder Roboter-assistierte Chirurgie ermöglicht Ärzten komplexe OP-Verfahren mit mehr Präzision, Flexibilität und Kontrolle als mit herkömmlichen Techniken durchzuführen. Robotische Chirurgie wird normalerweise mit minimalinvasiver Chirurgie kombiniert - Verfahren, die durch kleine Hautschnitte durchgeführt werden.
Eine verbesserte Visualisierung und Fingerfertigkeit ermöglicht es, an schwer zugänglichen Stellen des Körpers zu operieren. Mit der Roboterchirurgie können Chirurgen empfindlichere und komplexere Eingriffe durchführen, die mit anderen Methoden schwierig oder unmöglich waren.
Vorteile
- Minimal-invasive, roboter-gestützte Verfahren
- Kleinere, weniger auffällige Narben
- Reduzierte Schmerzen
- Weniger Blutverlust
- Kürzere Krankenhausverweildauer
- Schnellere Erholung und Wiederherstellung
- Weniger mögliche Komplikationen, z.B. Wundinfekte
Das da Vinci Surgical System® für robotisch assistierte Chirurgie am Universitätsklinikum Bonn
Das UKB hat das modernste Intuitive Surgical® da Vinci® Xi™-Operationssystem mit Doppelkonsole und integrierter Tischbewegung (Trumpf Medical™ TruSystem™ 7000dV OR Table). Doppelkonsolen ermöglichen es einem Team von Chirurgen gleichzeitig zu operieren und einen allumfassenden und sorgsamen Ansatz für die chirurgische Versorgung unserer Patienten zu pflegen. Dank integrierter Tischbewegung kann der Patient während der Operation dynamisch positioniert werden, um die Zielanatomie genauer einzustellen und dadurch die Effizienz der OP sowie die Sicherheit des Patienten während robotergestützter Verfahren zu verbessern. Das da Vinci Surgical System® verfügt über ein 3D-Bildverarbeitungssystem, interaktive mechanische Arme mit Gelenken, die Bewegungen des Chirurgen folgen, und einen Kameraarm, der dem Chirurgen eine hochauflösende, vergrößerte Ansicht des Eingriffs ermöglicht (HD 3D). In einigen Fällen erlaubt die robotergestützte Chirurgie unseren Chirurgen Operationen an Tumoren durchzuführen, die sonst nicht operabel sind.


Robotik-Spezialanwendungen am Universitätsklinikum Bonn
Ärzte des Universitätsklinikum Bonn vieler Spezialitäten sind in robotischer Chirurgie geschult. Sie arbeiten mit Mitarbeitern in anderen Bereichen zusammen, um Ihre Betreuung zu koordinieren. Während Ihrer Operation führen Chirurgen mit Erfahrung in robotergestützten Techniken ein geschultes Operationsteam. Chirurgen und OP-Mitglieder, die robotergestützte Verfahren durchführen, sind speziell für den Einsatz dieser Technologie ausgebildet.
Wenn Ihr Arzt bisher eine Darmkrebserkrankung, die eine Operation erfordert, diagnostiziert hat, hatten Sie nur ein paar Möglichkeiten:
- Traditionelle Chirurgie (erfordert einen großen, offenen Hautschnitt; oft vom Brustkorb bis zum Schambein, um die Operationsstelle zu erreichen)
- Laparoskopie (Minimal-invasive Chirurgie mit kleinen Inzisionen, aber typischerweise auf einfache Eingriffe beschränkt)
Mit der robotergestützten Chirurgie haben Sie jetzt eine Alternative zur traditionellen und laparoskopischen Chirurgie.
Darmchirurgen am Universitätsklinikum Bonn verwenden innovative Roboterchirurgie-Techniken zur Behandlung vieler Darmerkrankungen. Die Roboterchirurgie ist eine der effektivsten und am wenigsten invasiven chirurgischen Behandlungsoptionen, die heute verfügbar sind.
Darmerkrankungen, die wir mit der robotisch assistierten Chirurgie behandeln
- Krebserkrankungen des Dickdarms (rechtes, queres, linkes, s-förmiges Kolon)
- Krebserkrankungen des Enddarms (Rektum)
- Entzündliche Erkrankungen des Dickdarms (Divertikulitis)
- Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (CED)
- (Teil)-Darmentfernung im Rahmen erblicher Tumorerkrankungen des Darmtraktes
Was Sie während des robotisch assistierten, chirurgischen Darmeingriffs erwarten können
- Der Chirurg wird 4-5 winzige (0,8 bis 1,2 cm) Hautschnitte machen, damit die OP-Instrumente über Zugänge (Ports, Trokare) in Ihren Bauchraum gelangen können
- Ein chirurgischer Assistent platziert dann miniaturisierte, armähnliche Instrumente des Roboters durch diese Ports in Ihre Bauchhöhle. Die Roboterarme sind mit verschiedenen chirurgischen Instrumenten und einer hochauflösenden 3D-Kamera ausgestattet
- Der Chirurg sitzt an einer Steuerkonsole und sieht ein vergrößertes, hochauflösendes 3D-Bild (HD) des Operationsfeldes durch den Kameraarm
- Von dieser Konsole aus steuert der Chirurg die Roboterarme, die auf seine Bewegungen in Echtzeit reagieren
- Der computergestützte Roboter übersetzt die Hand-, Handgelenk- oder Fingerbewegungen des Chirurgen in präzise Bewegungen der vier Roboterarme
Sämtliche hierüber hinaus reichende Fragen klären wir gerne ausführlich im Rahmen Ihrer ambulanten Vorstellung in einem persönlichen, Gespräch.
Zur Teamseite Darmchirurgie »
Weitere Informationen
Erfahren Sie mehr über die da Vinci Roboter-Darmchirurgie auf der Website von da Vinci Surgery: www.davincisurgery.com/da-vinci-colorectal (Englisch)
Folgende Erkrankungen im Bereich des oberen Verdauungstrakts (Speiseröhre und Magen) können eine Operation erfordern:
- Krebserkrankungen der Speiseröhre (Ösophagus) oder des Magens
- Krebserkrankungen des Übergangs von Speiseröhre (Ösophagus) und Magen
- erbliche Tumorerkrankungen, die eine prophylaktische Entfernung des Magens erfordern
- Refluxerkrankung
- Aussackungen der Speiseröhre
Wenn Sie an einer Tumorerkrankung leiden wird die Empfehlung zur weiteren Therapie (Operation und/oder Chemotherapie/Bestrahlung) an unserem Zentrum immer in enger interdisziplinärer Absprache mit allen Experten (Gastroenterologie, Onkologie, Pathologie, Radiologie und Strahlentherapie) in einem sogenannten Tumorboard erarbeitet.
Grundsätzlich können alle oben genannten Erkrankungen robotisch unterstützt operiert werden. Für Sie ergeben sich durch die minimal-invasive/robotische Chirurgie folgende Vorteile:
- geringere Schmerzen
- geringere Raten an Komplikationen von Herz-Kreislauf-System und Lunge
- kürzere Erholungszeit nach der OP
- onkologische Gleichwertigkeit zur offenen OP
- bessere Kosmetik
Die robotergestützte Chirurgie biete alle Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie und geht mit weiteren Verbesserungen einher. Wie bei einer minimal-invasiven OP werden hier mehrere kleine Hautschnitte genutzt, um die Operationsinstrumente in den Körper einzuführen. Diese werden dann allerdings durch die Arme des Roboters geführt. Der Chirurg sitzt an einer Steuerkonsole und hat während der gesamten OP die Kontrolle über die Instrumente. Hierbei sieht er ein hochauflösendes 3D-Bild und kann die Instrumente mit einer höheren Präzision steuern, da seine Handbewegungen durch den Roboter auf die Operationsinstrumente übertragen und zum Teil modifiziert werden.
Letztlich erfolgt die Auswahl des Verfahrens individuell und hängt sowohl von Voroperationen als auch dem Ausmaß der Erkrankung ab. Gerne erläutern wir Ihnen den genauen Ablauf einer solchen Operation sowie die gesamte Behandlungsstrategie im Rahmen einer persönlichen Beratung durch die Operateure.
Eine Operation der Leber kann bei verschiedenen Erkrankungen erforderlich sein. Hierzu zählen neben unterschiedlichen gut- und bösartigen Lebertumoren auch zystische Raumforderung oder Eiteransammlungen (sog. Abszesse). Außer bösartigen Tumoren, die von den Leberzellen oder Gallengängen ausgehen, machen oftmals auch Tumorabsiedlungen, sog. Metastasen, eine Operation notwendig. Aber auch gutartige Tumoren, wie zum Beispiel große Adenome oder eine fokale noduläre Hyperplasie, erfordern insbesondere bei Symptomen eine operative Behandlung.
Grundsätzlich wird im Universitätsklinikum Bonn jede Tumorerkrankung der Leber nur in enger interdisziplinäre Absprache behandelt. In der wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenz wird dabei ein individuelles Therapiekonzept unter Berücksichtigung der neuesten Therapiestandards für jeden Patienten erstellt. Im Rahmen des darauf folgenden Sprechstundentermins erfolgt die ausführliche Aufklärung und Operationsplanung.
Traditionell wurden sämtliche o. g. chirurgischen Lebererkrankungen über einen größeren Querschnitts im Bereich des Oberbauches behandelt. Um das Operationstrauma so gering wie möglich zu halten und den Patienten so wenig wie möglich zu belasten, wurden an unserer Klinik in den vergangenen Jahren die minimalinvasiven Operationstechniken, die sog. Schlüssellochchirurgie für große Lebereingriffe eingeführt. Hierbei werden über mehrere kleine Hautschnitte (5-12 mm) eine Kamera und dünne Instrumente im Oberbauch eingeführt, über welche die oben aufgeführten Leberoperationen nun besonders schonend durchgeführt werden können. Als entscheidende Vorteile für den Patienten ergeben sich dadurch geringere postoperative Schmerzen, eine raschere Erholung nach der Operation, ein besseres kosmetisches Ergebnis bei gleichwertigem onkologischem Ergebnis.
Mit der roboter-assistierten Chirurgie gibt es jetzt eine weitere Alternative zur laparoskopischen Operation. Dieses innovative Verfahren ist eines der effektivsten und am wenigsten belastenden Behandlungsoptionen der heutigen Zeit. Die roboterunterstütze Chirurgie erlaubt es, mit besonderer Präzision und einer optimierten Visualisierung zu operieren. Ähnlich der menschlichen Hand sind hier alle Freiheitsgrade möglich. Eine 3-D Grafik gewährleistet eine optimale Sicht auf das Operationsfeld. Eine Tremor-Filtration ermöglicht es dem Chirurgen, mit besonderer Geschicklichkeit sowohl Präparation als auch erforderliches intraopertives Nähen von Strukturen besonders sorgfältig durchzuführen. Auch bei der Robotik liegen die Vorteile in der verbesserten Kosmetik, der kürzeren Krankenhausaufenthaltsdauer und dem reduzierten postoperativen Schmerz. Alle Operationen, die sicher minimalinvasiv mit dem OP-Roboter durchführbar sind, werden in dieser Technik am Universitätsklinikum Bonn angeboten. Alle Operateure sind im Rahmen von internationalen Trainingsprogrammen aufwendig geschult worden, um die hochkomplexen Lebereingriffe, die sie offen und laparoskopisch beherrschen, auch mit dem OP-Roboter sicher durchführen zu können.
Was Sie während des robotisch assistierten, chirurgischen Lebereingriffs erwarten können:
- Der Chirurg wird 4-5 winzige (0,8 bis 1,2 cm) Hautschnitte machen, damit die OP-Instrumente über Zugänge (Ports, Trokare) in Ihren Bauchraum gelangen können.
- Ein chirurgischer Assistent platziert dann miniaturisierte, armähnliche Instrumente des Roboters durch diese Ports in Ihre Bauchhöhle. Die Roboterarme sind mit verschiedenen chirurgischen Instrumenten und einer hochauflösenden 3D-Kamera ausgestattet.
- Der Chirurg sitzt an einer Steuerkonsole und sieht ein vergrößertes, hochauflösendes 3D-Bild (HD) des Operationsfeldes durch den Kameraarm.
- Von dieser Konsole aus steuert der Chirurg die Roboterarme, die auf seine Bewegungen in Echtzeit reagieren.
- Der computergestützte Roboter übersetzt die Hand-, Handgelenk- oder Fingerbewegungen des Chirurgen in präzise Bewegungen der vier Roboterarme.
Neben der offenen werden auch die minimalinvasiven/robotischen Operationsverfahren, sofern sinnvoll, in Kombination mit weiteren etablierten Tumortherapien, wie z. B. der intraoperativen Radiofrequenzablation, angeboten. Hierbei überprüft unser Team fortlaufend die hohe Qualität unserer Patientenversorgung im Rahmen des zertifizierten Leberzentrum (Link zur Urkunde DGAV-Leber Referenzzentrum). Im Rahmen eines ambulanten Vorstellungstermins (freitags 8:00 – 14:00 Uhr) erklären wir Ihnen gerne weiteres zu den einzelnen Operationsverfahren.
Zur Terminvereinbarung besuchen Sie bitte die Teamseite "Leber, Bauchspeicheldrüse, Gallenwege" »
Weitere Informationen
Erfahren Sie mehr über die da Vinci Roboter-Chirurgie auf der Website von da Vinci Surgery: www.davincisurgery.com (Englisch)
Fortschrittliche Technologie und Forschung
Menschen, die im Universitätsklinikum Bonn robotergestützt operiert werden, profitieren von der fortschrittlichen Technologie. Darüber hinaus engagieren sich die Forscher des Universitätsklinikum Bonn für die Entwicklung und den Austausch neuer robotergestützter Operationstechniken und die Bewertung ihrer Wirksamkeit im Rahmen von Grundlagenforschung und klinischer Studien.
Robotische Chirurgie mit dem Dexter®-System
An unserer Klinik ist der Operationsroboter Dexter® (Distalmotion SA) fester Bestandteil der viszeralchirurgischen Versorgung. Das System wurde im Rahmen des vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts Innovative Secure Medical Campus (ISMC) eingeworben und implementiert. Wir gehörten zu den ersten Einrichtungen, die den Dexter® klinisch einsetzen und seine Einführung strukturiert nach dem international anerkannten IDEAL-Framework wissenschaftlich begleitet haben.
Abbildung 2: Die Komponenten des Dexter®-Systems – offene Konsole, Patientenwagen mit den Roboterarmen und Assistenz-/Instrumentenwagen.
Indikationsspektrum
Wir setzen den Dexter® in der Allgemein- und Viszeralchirurgie ein, unter anderem bei:
- Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)
- kolorektalen Eingriffen
- Hernienchirurgie
- Eingriffen am oberen Gastrointestinaltrakt (z. B. Hiatushernie/Fundoplicatio)
Ob ein Eingriff vollständig robotisch oder als Kombination aus robotischem und laparoskopischem Vorgehen erfolgt, entscheidet das Operationsteam individuell.
Vorteile
- Nahtloser Wechsel zwischen robotischem und laparoskopischem Operieren bei sterilem Verbleib des Operateurs am OP-Tisch
- Hohe Präzision und Beweglichkeit der gelenkigen Instrumente
- Kompaktes, mobiles System, das sich flexibel in bestehende OP-Infrastruktur und -Abläufe integriert
- Niedrige Einstiegshürde in der Ausbildung: schneller Auf- und Abbau sowie intuitive Bedienung ermöglichen die frühe, strukturierte Heranführung angehender Chirurginnen und Chirurgen und die Einbindung des gesamten OP-Teams
- Für Patientinnen und Patienten: schonender Eingriff, rasche Genesung, kurzer Krankenhausaufenthalt


Abbildung 3: Roboterarm des Dexter® mit eingesetztem Instrument.
Wissenschaftliche Begleitung und Zulassung
Die von unserer Arbeitsgruppe mitverantwortete multizentrische NEST-Studie zur robotisch-assistierten Cholezystektomie bildete die Grundlage für die US-amerikanische 510(k)-Zulassung (FDA) des Dexter® für die Cholezystektomie.
Publikationen unserer Arbeitsgruppe:
- Dohmen J, Weber J, Arensmeyer J, Feodorovici P, Henn J, Schmidt J, Kalff JC, Matthaei H. IDEAL-compliant implementation of the Dexter® surgical robot in cholecystectomy: a comprehensive framework and clinical outcomes. Innovative Surgical Sciences. 2024.
- Seeger N, Mignot H, Matthaei H, et al. Robotic-assisted cholecystectomy with DEXTER: the first prospective multicenter study. Surg Endosc. 2025;39(12):8254–8262.




















