Allgemeines zur Lebertransplantation am Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Bonn

Eine erfolgreiche Lebertransplantation bedeutet das Zusammenspiel vieler Disziplinen: Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesie, Intensivmedizin, Radiologie, Labormedizin, Mikrobiologie/Virologie, Pathologie, Psychosomatik.

Untersuchungen zur Aufnahme auf die Warteliste

Die Voruntersuchungen zur Eignung für eine Lebertransplantation (Evaluation) werden in unserem Zentrum in der Regel stationär durchgeführt und beanspruchen in Abhängigkeit vom Gesundheitszustand 8-10 oder mehr Tage.

Sprechen die Untersuchungsergebnisse nicht gegen die Listung, wird der Patient auf die Transplantationswarteliste aufgenommem, d.h. bei Eurotransplant /Leiden /NL gemeldet. Die Zuteilung eines Organs erfolgt im Falle der Leber zentral durch Eurotransplant anhand des sog. MELD (siehe dann) nach international festgelegten Kriterien.

Welche Gründe können gegen eine Listung zur Lebertransplantation sprechen?

Patienten die älter als 70 Jahre sind, die an fortgeschrittenen Herz-Kreislauferkrankungen, schweren Infektionserkrankungen, schweren Lungenerkrankungen, Krebserkrankungen (außer Leberzellkrebs),schweren psychischen Erkrankungen leiden, die weiterhin Alkohol konsumieren oder sich der Mitarbeit entziehen, kann im Regelfall nicht mehr mit einer Lebertransplantation geholfen werden.

Wer entscheidet darüber?

Jeden Dienstag zwischen 15.30 und 16.30 Uhr findet eine interdisziplinäre Transplantationskonferenz statt, in der durch Würdigung aller erhobenen Befunde entschieden wird, ob der/ die jeweilige Patient/in für eine Transplantation geeignet ist.

Vor der „Listung“, d.h. Anmeldung bei ET(Eurotransplant) führen wir ein ausführliches Aufklärungsgespräch(nach Möglichkeit gerne in Anwesenheit einer Vertrauensperson) zu:

  • Risiken und Aussichten der Transplantation
  • Operativer Vorgehensweise, möglichen Risiken und Erfolgsaussichten des Eingriffs. Auch medizinische, soziale und psychische Auswirkungen werden thematisiert.
  • Immunsuppression (Medikamente zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehrkräfte) und deren Nebenwirkungen
  • Notwendigkeit und Häufigkeit regelmäßiger Kontrolluntersuchungen nach erfolgter Transplantation

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen vor der Transplantation

Während der Wartezeit werden wir die Patienten abhängig vom Gesundheitszustand in regelmäßigen Abständen einbestellen, um den Verlauf zu beobachten und auf veränderte Umstände reagieren zu können.

Vom Zeitpunkt der Meldung bei Eurotransplant an muß der Patient zu jeder Tages- und Nachtzeit telefonisch über Mobilfunk oder Festnetz erreichbar sein.

Aus diesem Grunde ist es auch außerordentlich wichtig, dass der Patient jede Änderung seiner Telefonnummern und /oder geplante Urlaubsreisen sofort dem Transplantationszentrum mitteilt.

Nachsorge

Bei komplikationslosem Verlauf verbleibt der Patient 3 bis 4 Wochen im Transplantationszentrum und anschließend weitere 3 bis 4 Wochen in einer Reha-Klinik zur Anschlußheilbehandlung.

Nach der stationären Entlassung sollte sich der Transplantierte in den ersten Monaten wöchentlich zur Nachsorge im Zentrum vorstellen.

Hier finden anfangs engmaschig körperliche Untersuchungen, Blutdruckkontrollen, Laborkontrollen, Ultraschalluntersuchungen und Beratungen statt. Wir empfehlen folgende Verhaltensregeln:

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme!
  • Infektionsschutz (Meidung großer Menschenansammlungen)
  • allgemeine Hygienemaßnahmen (z.B. Körperpflege, Händewaschen. Thema Haustiere, Pflanzen)
  • Trinkmenge von mindestens 2-3 Litern/Tag
  • Diät ist nicht erforderlich, die Ernährung sollte jedoch von Anfang an nicht zu fettreich und möglichst ausgewogen sein. Das Normalgewicht wird angestrebt.
  • Ausreichender Sonnenschutz (keine Sonnenbäder, Creme mit Lichtschutzfaktor >30)
  • Häusliche Kontrolle des Blutdruckes
  • Sofortige Kontaktaufnahme mit dem Transplantationszentrum bei folgenden Symptomen:
    • Fieber über 38,5° C
    • Durchfall, sehr heller Stuhlgang
    • Ikterus (Gelbfärbung der Augen/Haut), Juckreiz
    • Ödeme
    • Blutungen oder andere Krankheitszeichen

Weiteres

Regelmäßiger Kontakt zu Ihrem Hausarzt und jährliche Facharzt-Untersuchungen zur Prophylaxe der möglichen Nebenwirkungen der Immunsuppressiva bei

  1. Ophthalmologe (Augenarzt)
  2. Dermatologe (Hautarzt)
  3. Urologe / Gynäkologe (Frauenarzt) und
  4. Zahnarzt (halbjährlich)

vervollständigen die Nachsorge.

Nach einigen Monaten kann das Kontrollintervall im Regelfall deutlich verlängert werden, so daß sich viele Patienten schon im 2. Jahr nach der Transplantation nur noch alle 3 Monate im Zentrum vorstellen müssen und die weitere Versorgung wieder vom Hausarzt übernommen werden kann.

Eine Lebertransplantation kann aufgrund einer nicht rückbildungsfähigen, fortschreitenden vital bedrohlichen Lebererkrankung, wenn keine akzeptable Behandlungsalternative besteht und keine Kontraindikationen für eine Transplantation vorliegen, indiziert sein. Hierbei kann es sich sowohl um einen akuten Leberausfall als auch um eine chronische Lebererkrankung handeln.

Folgende Erkrankungen können durch eine Lebertransplantation erfolgreich behandelt werden:

  1. Leberzirrhose bei: Virushepatitis B, C, D; Autoimmunhepatitis, alkoholtoxisch, kryptogen
  2. Cholestatische Lebererkrankungen: primär biliäre Zirrhose (PBC), primär sklerosierende Cholangitis (PSC) Gallengangsatresie, sekundär biliäre Zirrhose
  3. Genetische/Metabolische Lebererkrankungen: Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Hämochromatose, Tyrosinämie, Zystenleber u.a.
  4. akutes Leberversagen: Akute Virus-Hepatitis, M. Wilson, Budd-Chiari-Syndrom, Intoxikationen, HELLP-Syndrom
  5. Maligne Tumoren: Hepatozelluläres Karzinom, epithloides Hämangio-Endotheliom, Hepatoblastom, Leber-Metastasen neuroendokriner Tumoren
  6. Sonstige: Chronisches Budd-Chiari-Syndrom, Leberversagen bei Kurzdarmsyndrom u.a.

Wie erfolgt die Organzuteilung

Seit dem 25. März 2025 verwendet Eurotransplant den reMELD-Na-Score, um den labMELD-Score zur Beurteilung des Mortalitätsrisikos von Patient:innen auf der Warteliste für eine Lebertransplantation zu berechnen.

Wichtig ist, dass dieser Score nicht dem United Network for Organ Sharing-MELD-Na-Score entspricht, sondern speziell für die Eurotransplant-Population neu angepasst wurde.

Das allgemeine Prinzip, dem MELD folgt, ist das sog. ‚sickest first’-Prinzip, d.h. Empfänger mit den schwersten Lebererkrankungen, gemessen durch den reMELD-Na-Score, erhalten zuerst ein Organangebot, so dass deren Risiko, auf der Warteliste zu versterben so gering wie möglich gehalten wird. Der reMELD-Na-Score wird aus 4 Werten nach einer speziellen Formel berechnet. Hierbei handelt es sich um das Natrium (Natrium (Na) wurde in den reMELD-Na-Score aufgenommen, da eine Hyponatriämie (niedriger Natriumspiegel) bei Patienten mit Leberzirrhose ein starker, unabhängiger Indikator für ein erhöhtes Sterberisiko ist.), das Kreatinin im Serum (zeigt im Blut die Funktion der Niere an), das Bilirubin im Serum (Parameter für die Leberfunktion) und die INR (zeigt die Syntheseleistung der Leber für Gerinnungsfaktoren an). Aus der Höhe des reMELD-Na-Score ergibt sich die 3 Monats-Überlebenswahrscheinlichkeit ohne Transplantation. Je höher dieser Score (6-36) ist umso geringer ist das Überleben ohne Transplantation.

Leberlebendspende

In manchen Fällen ist es möglich, einen Leberlappen bei einem gesunden Spender zu entnehmen und dem Patienten mit der Lebererkrankung zu transplantieren. Diese Methode wird vor allem in der Kindertransplantation angewendet, ist aber auch bei Erwachsenen nach strenger Indikationsstellung möglich. Durch das Transplantationsgesetz ist vorgeschrieben, dass als potentielle Spender jedoch nur Verwandte und nahestehende Personen in Frage kommen. Ein Vorteil dieser Methode ist die gute Planbarkeit des Eingriffs, ein Nachteil ist das potentielle Risiko für den Spender.

Praktisches Vorgehen

Wenn im Universitätsklinikum Bonn ein Patient vorgestellt wird, bei dem die Notwendigkeit einer Lebertransplantation besteht, so wird dieser nach der Durchführung von genau vorgegebenen Untersuchungen in unserer interdisziplinären Transplantationskonferenz besprochen. Hier erfolgt nach gemeinsamem Beschluss die Aufnahme auf die Warteliste und die Meldung an Eurotransplant. Nach der Listung kann der Patient, je nach Schwere seiner Lebererkrankung, entlassen werden. Wichtig ist hier jedoch der enge Kontakt zwischen Patient, Hausarzt und Transplantationszentrum.
Kommt es zu einem, für den Patienten passenden Organangebot so wird er telefonisch informiert und sollte innerhalb von 2-4 Stunden in der Chirurgischen Klinik zur Vorbereitung erscheinen.

Das neue Organ ist in einer speziellen Lösung bei 4°C gelagert in unser Zentrum transportiert worden und wird vor der Implantation entsprechend vorbereitet (back-table Präparation).

Durch den in Deutschland wachsenden Mangel an Spenderorganen werden zunehmend Organe transplantiert, welche eine eingeschränkte Organqualität haben (sog. marginale Organe). Diese können jedoch vor der Implantation durch den Anschluss an spezielle Maschinen verbessert werden. Hierbei gibt es 2 verschiedene Techniken. Die normotherme Maschinenenperfusion mit Blut bei 37°C (NMP) und die hypotherme Maschinenenperfusion bei 4°C mit Konservierungslösung (HMP), welche mit Sauerstoff angereichert wird. Wir nehmen seit Februar 2022 an einer Studie der Charité Berlin teil, in welcher beide Systeme miteinander verglichen werden (HOPE-NMP Trial). Die Organe werden vor der Implantation für ca. 4 Stunden an eine dieser Maschinen angeschlossen.

Bei der folgenden Lebertransplantation wird zunächst die vorhandene Leber entfernt, da das neue Organ an gleicher Stelle angeschlossen werden soll. Dies kann durch einen hohen Druck in der Pfortader, eine starke Blutungsneigung (Mangel an Gerinnungsfaktoren) oder Voroperationen kompliziert sein.
Nach Entfernung der alten Leber werden die präparierten Gefäße nach einer bestimmten Reihenfolge wieder angeschlossen (Vene, Pfortader, Arterie, Gallengang).
Die initiale postoperative Betreuung wird auf der Intensivstation durchgeführt. Nach Verlegung auf die Normalstation und stabiler Funktion der neuen Leber erfolgt nach ca. 2 – 4 Wochen die Entlassung in eine Anschlussheilbehandlung (AHB).

Wegen der Immunsuppression und der Gefahr von Komplikationen ist nach der Rückkehr aus der AHB eine engmaschige Anbindung an unser Zentrum in der Transplantationssprechstunde notwendig. Die Nachsorge ist zunächst sehr engmaschig kann aber im Verlauf auch in größeren Abständen durchgeführt werden.

Die immunsuppressive Behandlung ist sofort nach der Transplantation erforderlich und muss ein Leben lang weitergeführt werden. Die Medikamentenspiegel im Blut sollte engmaschig gemessen werden um eine ausreichende Wirkung zu garantieren und um eine Nierenschädigung zu vermeiden. Es werden meistens 2 Medikamente parallel eingenommen. Cortison wird früh ausgeschlichen.

Lebenserwartung nach Lebertransplantation

Die Einjahres-Überlebensrate nach Lebertransplantation liegt gegenwärtig bei über 90%, die Fünfjahres-Überlebensrate bei 80% und die Zehnjahres-Überlebensrate bei 70%. Die Überlebensraten steigen aber weiterhin durch Fortschritte in der Technik der Transplantation und Entwicklungen in der immunsuppressiven Therapie und sind abhängig von der Grunderkrankung.

Eine Lebertransplantation im Kindes- bis ins Säuglingsalter wird in Deutschland in einigen Zentren angeboten. Insbesondere die Lebertransplantation bei Säuglingen war lange Zeit bei befürchteten höheren Komplikationen fraglich. Aktuelle Daten zeigen aber, dass auch Säuglinge und Neugeborene sicher und erfolgreich lebertransplantiert werden können. Insgesamt haben Kinder, Säuglinge und Neugeborene, insbesondere in neuerer Zeit eine deutlich höhere Erfolgsaussicht nach Lebertransplantation als Erwachsene. Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Bonn bietet aktuell auch die Lebertransplantation für Kinder, Säuglinge und Neugeborene an.

Hintergrund

Die erste erfolgreiche Lebertransplantation in Deutschland wurde 1969 in Bonn durchgeführt. Weltweit fand die erste Lebertransplantation bei einem Kind im Jahr 1967 statt. Seitdem ist dank erfolgreicher Weiterentwicklungen in der operativen, intensivmedizinischen und medikamentösen Behandlung, der Laboruntersuchung, sowie der radiologischen Diagnostik und Intervention die Lebertransplantation im Kindesalter zu einem Routineverfahren geworden mit einer 1-Jahresüberlebensrate von über 95%. Seit Bestehen der europäischen Vergabestelle für Organe - Eurotransplant - sind ca. 3000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren durch die Vermittlung von Eurotransplant transplantiert worden, darunter mehr als 700 Kinder im Alter unter einem Jahr.

Ursachen für eine Lebertransplantation im Säuglingsalter

Auch kleine Kinder können an akuten und chronischen Lebererkrankungen leiden, die eine Lebertransplantation notwendig machen. In der Mehrzahl der Fälle ist eine Gallengangs-Anlagestörung die Ursache für ein Leberversagen. Durch eine rechtzeitige Operation nach Kasai können einige Patienten vor einer raschen Verschlechterung der Leberfunktion in den ersten Lebensmonaten bewahrt und eine Lebertransplantation hinausgezögert oder sogar verhindert werden. Andere wichtige Ursachen für eine Lebertransplantation sind angeborene Stoffwechselerkrankungen in der Leber, die ein chronisches, aber auch akutes Leberversagen verursachen, oder aber das Versagen anderer Organe bewirken können. Des Weiteren sind die neonatale Hämochromatose (Eisenüberladung der Leber) oder die durch Virusinfektionen ausgelöste neonatale Hepatitis zu nennen. Bei einem Teil der Kinder kann nie eine eindeutige Diagnose der Erkrankung gestellt werden. Sobald ein Kind als nur noch mit einer Lebertransplantation heil- oder rettbar erachtet wird, sollte es in einem Transplantationszentrum vorgestellt werden. Dort werden dann noch weitere notwendige Untersuchungen durchgeführt und nach interdisziplinärer Besprechung von Kinderärzten, Transplantationschirurgen, Intensivmedizinern, Anästhesisten und Psychologen die Listung zur Lebertransplantation bei Eurotransplant gemeinsam beschlossen.

Operationstechniken

Nach Listung bei Eurotransplant erhält der kleine Patient in Abhängigkeit von der Dringlichkeit entweder ein ganzes Organ eines verstorbenen Spenders oder aber nur einen Teil einer Leber (Split-Technik). Mit der Split-Technik schafft man die Situation, mit einer Leber einem Kind und einem Erwachsenen, oder aber in seltenen Fällen auch zwei Kindern helfen zu können. Es ist jedoch auch möglich, dass Eltern oder nahe Angehörige einem Kind einen Teil ihrer eigenen Leber spenden. Voraussetzung dafür ist die gleiche Blutgruppe und dass der lebende Spender gesund ist und kein erhöhtes Risiko für Komplikationen während und nach der Operation hat. Höchstes Gebot bei Lebendspenden ist es, die Gesundheit des lebenden Spenders nicht zu gefährden. Der entscheidende Vorteil bei der Lebertransplantation nach Lebendspende ist die zeitliche Planbarkeit der Transplantation, die damit mögliche Verkürzung der Wartezeit, oder die Transplantation des Kindes im eventuell noch besseren Allgemeinzustand. Abzuwägen bleibt der Vorteil für das Kind gegenüber den Belastungen und dem Risiko für den Spender.

Medikamente nach Lebertransplantation

Nach Lebertransplantation müssen die Kinder dauerhaft verschiedene Medikamente einnehmen, damit das neue Organ nicht abstoßen wird. Dazu gehören sogenannte Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus, Mycophenolsäure, Everolimus, Sirolimus, Basiliximab, Azathioprin oder Cortison-Präparate. Des Weiteren werden häufig gegeben: Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung und Ursodeoxycholsäure zur Anregung des Galleflusses, sowie harntreibende Medikamente. Am Anfang müssen die kleinen Patienten relativ viele Medikamente einnehmen. Im Laufe der Zeit können diese jedoch zunehmend abgesetzt oder reduziert werden.

Langzeitbetreuung nach Lebertransplantation

In der Regel ist eine Lebertransplantation im Kindesalter mit einem mehrwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus verbunden. In dieser Zeit werden bereits regelmäßige körperliche Untersuchungen, Kontrollen der Blutwerte und Ultraschallkontrollen durchgeführt. Aber auch nach dem Aufenthalt im Krankenhaus ist es sehr wichtig, regelmäßige Blutentnahmen und Ultraschalluntersuchungen durchzuführen. Dabei ist eine gute Mitarbeit der Eltern für den Transplantationserfolg von essentieller Bedeutung.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Priv.-Doz. Dr. med. Steffen Manekeller, Chirurg, Leiter Team Transplantation.

Allgemeines

Wie bereits während der vorbereitenden Untersuchungen, legen wir nach der Transplantation ein besonderes Augenmerk auf die Anleitung der Patienten zur richtigen und verlässlichen Medikamenteneinnahme und zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen, die zum Schutz vor vermehrten Infektionen unter der lebenslang erforderlichen Einnahme von Immunsuppressiva ratsam sind.

Was ist eine Pankreas-Nieren-Transplantation

Geschichte

Die erste Pankreastransplantation wurde 1967 von Kelly in den USA in Form einer kombinierten Pankreas-Nierentransplantation durchgeführt. Weltweit erfolgten seitdem bis zum Jahre 2011 mehr als 35.000 Pankreas-Transplantationen, entweder alleine oder kombiniert mit einer Nierentransplantation. Seit dem Jahr 1998 wurden am Transplantationszentrum der Bonner Universitätsklinik bis dato 52 kombinierte Pankreas-Nierentransplantationen durchgeführt, davon sechs Transplantationen von Januar bis April 2012.

Anatomie

Die Bauchspeicheldrüse, griechisch pankreas, ist eine 14 – 18 cm lange Drüse, die zwischen Magen und Wirbelsäule liegt. Grundlegend hat die Bauchspeicheldrüse zwei wichtige Funktionen, nämlich erstens die Herstellung von Insulin und dem Gegenspieler Glucagon zur Regulierung des Blutzuckers und zweitens die Produktion von Verdauungsenzymen zur Aufspaltung der Nahrung. Die blutzuckerregulierenden Hormone werden über die Blutgefäße in den Kreislauf ausgeschüttet, während die Verdauungsenzyme gelöst in 2000 ml Bauchspeichel pro Tag über ein Gangsystem in den Zwölffingerdarm abgesondert werden.
Die Niere ist ein normalerweise paarig angelegtes Organ, das hinter dem Bauchraum rechts und links der Wirbelsäule liegt und neben der Entgiftungsfunktion auch den Wasserhaushalt, den Säure-Basen-Haushalt, Vitamin-D-Aktivierung und hormonell die Produktion von roten Blutkörperchen reguliert. Der Urin aus jeder Niere wird über den jeweiligen Harnleiter in die Harnblase abgeleitet.
 

Gründe für eine Transplantation

Während die isolierte Nierentransplantation häufig bei Nierenversagen aufgrund von Bluthochdruck, Altersdiabetes oder isolierter Nierenerkrankung wie polyzystischen Nierenveränderungen erfolgt, kommt die kombinierte Pankreas-Nieren-Transplantation im Wesentlichen für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, einer Autoimmunerkrankung mit absolutem Insulinmangel aufgrund der Zerstörung der insulinproduzierenden Bauchspeicheldrüsenzellen in Betracht. Basierend auf der modernen intensivierten Insulintherapie sind heutzutage viele junge Diabetiker hervorragend eingestellt und so können die Komplikationen des Diabetes gemildert oder deren Auftreten verzögert werden. Jedoch entwickeln einige Patienten trotz optimaler Insulintherapie diabetische Spätschäden, wie zum Beispiel Nierenversagen. Sollte bei Ihnen ein Diabetes mellitus Typ 1 zur

  • Arteriosklerose (Verkalkungen der Herzkranzgefäße, Beingefäße oder Halsschlagader)
  • Diabetischen Retinopathie (Sehminderung)
  • Präterminalen oder terminalen Nephropathie (chronisches Nierenversagen mit bestehender oder drohender Dialysepflichtigkeit)
  • Diabetischen Polyneuropathie (sensorische Nervenschäden)
  • Renalen Anämie (Blutarmut)

geführt haben, so sollten Sie Ihre behandelnden Ärzte auf die Möglichkeit einer Organtransplantation ansprechen. Ziele der Pankreas-Nieren-Transplantation sind es, die Dialyse und die damit verbundenen Komplikationen zu vermeiden, und gleichzeitig ein Fortschreiten der diabetischen Spätschäden zu verhindern. Langfristig steigen hierdurch deutlich die Überlebenschancen. Zugleich verbessert sich Ihre Lebensqualität, da im Idealfall weder Insulingaben noch Dialyse nicht mehr erforderlich sind.
Als Sonderfall gilt ein instabiler Diabetes mellitus, hier sind die Vorteile einer isolierten Pankreastransplantation mit den operativen und medikamentösen Risiken einer Transplantation abzuwägen.

Vorbereitung und Warteliste

Sollten Sie ein Kandidat für eine Pankreas-Nierentransplantation sein, so wird zunächst eine sorgfältige Evaluation stattfinden, die zum Ziel hat, bestehende Komplikationen des Diabetes und eventuelle Nebendiagnosen exakt zu erfassen. Hierzu werden zahlreiche Spezialuntersuchungen durchgeführt (wie augenärztliche Untersuchung, kardiologische Abklärung, zahnärztliche Untersuchung, Röntgenuntersuchungen und andere), die von uns koordiniert werden. Sollten Sie als Patient gemeinsam mit uns als ihrem behandelnden Transplantationsteam bei entsprechender Eignung die Entscheidung zur Pankreas-Nieren-Transplantation fällen, so werden Sie entsprechend den Vorgaben des Deutschen Transplantationsgesetzes auf unsere Warteliste für ein passendes Spenderorgan gesetzt. Im Gegensatz zu Leber, Niere und Dünndarm ist eine Lebendspende für die Pankreastransplantation zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich.

Transplantation

In den meisten Fällen erfolgt eine kombinierte Pankreas-Nieren-Transplantation in einem Eingriff. Der Vorteil der synchronen Pankreas-Nierentransplantation ist die genetische Identität der beiden Spenderorgane sowie die Möglichkeit, eine drohende Abstoßung des Pankreas über eine Verschlechterung der Nierenfunktion rasch zu diagnostizieren und therapeutisch behandeln zu können. Bei der Transplantation werden üblicherweise Ihre eigenen erkrankten Organe (die sogenannten nativen oder empfängereigenen Organe, z.B. die funktionsgestörte Eigenniere) im Körper belassen. Über einen längsverlaufenden Bauchschnitt wird das Pankreas in den rechten Mittelbauch transplantiert, wobei die Verdauungssäfte über den Zwölffingerdarm des Spenders in den oberen Dünndarm des Empfängers abgeleitet werden. Über den gleichen Bauchschnitt wird die zu transplantierende Spenderniere linksseitig in das kleine Becken eingebracht und der Harnleiter in die Harnblase eingepflanzt. Üblicherweise ist ein Krankenhausaufenthalt von zwei bis drei Wochen nach der Transplantation erforderlich. Während dieser Zeit werden die Organfunktionen und Medikamentenspiegel mittels täglicher Laborbestimmungen überwacht, und Sie erlernen den Umgang mit den Immunsuppressiva, also den Medikamenten, die eine Organabstoßung verhindern sollen. Die gängigsten immunsupprimierenden Medikamente sind Steroide, Tacrolimus (FK506), Everolimus und Mycophenolsäure. Nach derzeitigem Protokoll streben wir frühzeitig ein steroidfreies Schema an. Die Fortschritte in der patientenadaptierten Immunsuppression haben sowohl zu einem verbesserten Patientenüberleben von weltweit 95 % (1-Jahres-Überleben) bzw. 83 % (5-Jahres-Überleben) als auch einer stetig gestiegenen Rate an guter Transplantatfunktion von 86 % (Pankreas) bzw. 93 % (Niere) ein Jahr nach der Transplantation geführt.

Betreuung/Kooperationen

Nach der Transplantation wird die Betreuung hauptsächlich durch die Kollegen der Nephrologie unter Einbindung des chirurgischen Teams durchgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Kontakt

Eine Überweisung zu unserem Transplantationszentrum kann durch den betreuenden Nephrologen und/oder Diabetologen erfolgen, alternativ kann der Hausarzt den Kontakt zwischen Ihnen als Patient und uns als Transplantationschirurgen herstellen.

Die Basis eines intestinalen Transplantationsprogrammes ist eine individuelle Betreuung der Patienten mit unzureichender oraler Nahrungsaufnahme, zunächst auch im Sinne einer weitestmöglichen Rehabilitation. Eine Kombination von Ernährungsberatung, individualisierter künstlicher Ernährung (PN) und der Möglichkeit chirurgischer darmverlängernder Verfahren hat zum Ziel, bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom wieder eine ausreichende Nahrungsaufnahme zu erreichen bzw. das Ausmaß an künstlicher Ernährung auf das Notwendigste zu beschränken. Hierdurch werden Langzeitfolgen wie PN-assoziiertes Leberversagen vermieden bzw. verzögert. Wenn alle Rehabilitationsmaßnahmen ausgeschöpft sind, irreversibles Darmversagen vorliegt oder die eigene Leber bereits irreversibel geschädigt ist, können unsere Patienten für eine Dünndarm- bzw. multiviscerale Transplantation evaluiert werden.

Es gibt drei große Gruppen der visceralen Transplantation, namentlich die isolierte Dünndarmtransplantation, die kombinierte Leber-Dünndarmtransplantation und die multiviscerale Transplantation, bei welcher eine Kombination aus den Organen Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm, Leber, Pankreas und Dickdarm transplantiert wird. Die intestinale Transplantation ist seit der Einführung des immunsupprimierenden Medikamentes Tacrolimus (FK506) eine gute therapeutische Option bei irreversiblem intestinalem Versagen. Weltweit werden jährlich circa 150 intestinale Transplantationen durchgeführt, die meisten davon im nordamerikanischen Raum. Im Transplantationszentrum der Bonner Universitätskliniken wurde im Jahre 2004 eine isolierte Dünndarmtransplantation durchgeführt.

Erste Arbeiten zu technischen Problemen der Transplantationschirurgie wurden in Bonn von C. Garré, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Bonn von 1907 – 1926, publiziert. So erschien 1906 seine Schrift „Über Transplantationen in der Chirurgie“ und 1909 die Arbeit „Über Gefäß- und Organtransplantationen“.

Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren auch in Bonn durch die Bemühungen geprägt, Anschluss an internationales Niveau zu gewinnen. Das besondere Interesse von Prof. Dr. A. Gütgemann, dem damaligen Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Bonn von 1954 – 1977, galt dem neuen Gebiet der Organersatzverfahren und der Transplantationsmedizin, die er durch frühzeitige Einrichtung von experimentellen und klinischen Programmen maßgeblich förderte.

Im Jahr 1964 wurde der Physiologe N. Hahn mit dem Aufbau einer Experimentellen Abteilung an der Chirurgischen Klinik betraut. Nachdem entsprechende Räume für tierexperimentelle Studien zur Verfügung standen, begannen 1967 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft Experimente zur Pankreaskonservierung und -transplantation (Draznin), Lungentransplantation (Straaten) und besonders zur Lebertransplantation (Schriefers, Paquet, Lie). Später wurde unter Leitung von T.S. Lie eine international bekannte Abteilung für Experimentelle Transplantationschirurgie ausgegliedert. In den Jahren 1973 bis 1982 wurde hier die weltweit größte Zahl extrakorporaler xenogener Leberperfusionen (davon 68 mit Pavianlebern) beim akuten Leberversagen durchgeführt.

Auf der Basis dieser experimentellen Erfahrungen erfolgte am 17. Juni 1969 durch A. Gütgemann, T.S. Lie und weitere Mitarbeiter der Chirurgischen Klinik die erste erfolgreiche Lebertransplantation beim Menschen in Deutschland. Erst 1963 war die weltweit erste humane Lebertransplantation durch T. Starzl in Denver (USA) erfolgt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren durch Starzl 26 und durch Calne in Cambridge (UK) 13 Patienten diesem Eingriff unterzogen worden. Die klinischen Erfahrungen waren somit zu jener Zeit sehr begrenzt.

Von Juni 1969 bis April 1970 wurden in Bonn drei Lebertransplantationen durchgeführt. Das operative Vorgehen bei der Spender- und Empfängeroperation unterschied sich nur unwe¬sentlich von der heute üblichen Technik. Der erste Empfänger überlebte 205 Tage und konnte zwischenzeitlich aus der Klinik entlassen werden. Die beiden weiteren Empfänger überlebten allerdings nur 6 und 7 Tage.

Wegen noch unzulänglicher Medikamente gegen die Abstoßungsreaktion wurde das Programm nach 6 Transplantationen eingestellt und erst 1992 durch den damaligen Direktor Prof. Dr. A. Hirner wieder aufgenommen.

Seitdem sind bis Dezember 2025 in Bonn 694 Lebertransplantationen durchgeführt worden.

 

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Sprechstunde

vor Transplantation
Mi: 08:00 - 13:00 Uhr
nach Transplantation
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Termine nur nach Vereinbarung

Herr Norbert Schüngel
Tel.: +49 228 287 15327
Fax: +49 228 287 14853
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Teamleiter

Prof. Dr. med. Steffen Manekeller

Prof. Dr. med. Steffen Manekeller

Sektionsleiter Transplantationschirurgie

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Sekretariat Herr Norbert Schüngel
Tel.: +49 228 287 15327
Fax: +49 228 287 14853
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Team

Dr. med. Emma Blume

Dr. med. Emma Blume

Fachärztin für Innere Medizin

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Dr. med. Christiane Pillny

Dr. med. Christiane Pillny

Fachärztin für Viszeralchirurgie

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