Für Fachpersonal
Mit unserer Studie möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die geburtshilfliche Versorgung praxisnah weiterzuentwickeln und noch stärker an den Bedürfnissen der Gebärenden, aber auch der Hebammen und ärztlichen Geburtshelfer*innen auszurichten. Unser Fokus liegt auf der Selbstbestimmung der Gebärenden, insbesondere hinsichtlich Bewegung und Geburtspositionen. Unsere leicht zugänglichen Materialien für den Kreißsaal sollen geburtshilfliche Teams dabei unterstützen, die Selbstbestimmung von Gebärenden zu fördern und sich unkompliziert in den Klinikalltag einfügen.
Selbstbestimmte Geburtsposition – höhere Zufriedenheit?
In der ersten Studienphase haben wir herausgefunden: Viele der Mütter konnten bei vaginaler Geburt nicht die Position einnehmen, die sie sich gewünscht hatten. Als häufigster Grund dafür wurden Anweisungen des medizinischen Personals genannt, gefolgt von Einschränkungen durch PDA und CTG. Mütter, die die Position selbstbestimmt einnehmen konnten, waren deutlich zufriedener als Mütter, die sich in dieser Hinsicht fremdbestimmt fühlten. Für die Zufriedenheit war es unerheblich, welche Position eingenommen wurde, entscheidend war die wahrgenommene Selbstbestimmung.
Unsere aktuelle Interventionsstudie mit Vorher/Nachher-Design
In der laufenden Projektphase möchten wir daher die Bewegung von Gebärenden fördern und ihre Selbstbestimmung stärken: Unser Ziel ist es, dass sich Gebärende frei bewegen und die Positionen einnehmen können, die sie als angenehm empfinden – selbstverständlich immer unter Berücksichtigung medizinischer Notwendigkeiten. Mit Unterstützung von Müttern und Hebammen haben wir Materialien entwickelt, die Gebärende und ihre Begleitpersonen über den physiologischen Geburtsablauf sowie verschiedene Geburtspositionen informieren und motivieren sollen, verschiedene Positionen auszuprobieren. Die Materialien können unkompliziert in den Klinikalltag integriert werden, indem sie im Kreißsaal ausgelegt oder aufgehängt werden.
Um zu untersuchen, ob die Selbstbestimmung Gebärender durch die Materialien unterstützt werden kann, führen wir aktuell eine Studie an sechs Geburtskliniken durch (Albertinen Krankenhaus Hamburg, Augusta-Kranken-Anstalt Bochum-Mitte, Krankenhaus Köln-Holweide, Städtisches Krankenhaus Heinsberg, Universitätsklinikum Bonn, Uniklinik Köln ).
Ablauf des Projekts
- Seit dem 1. November 2025 erheben wir in den sechs Kliniken, wie selbstbestimmt sich Gebärende in Bezug auf Bewegungen und Positionen unter der Geburt fühlen (noch ohne Intervention = Kontrollzeitraum).
- Ab April 2026 implementieren wir dann unsere gemeinsam mit Müttern und Hebammen entwickelten Projektmaterialien. Wir möchten herausfinden, inwiefern diese Materialien die Selbstbestimmung rund um Geburtspositionen stärken können und welchen Einfluss dies auf die Zufriedenheit hat.
- Sowohl vor als auch nach Einführung der Materialien laden wir Mütter und ihre Begleitpersonen ein, an einer schriftlichen Befragung teilzunehmen. Außerdem befragen wir Hebammen und Ärzt*innen zu ihren Einstellungen und Erfahrungen sowie zu den eingesetzten Interventionsmaterialien.
Wann stehen die Materialien zur Verfügung?
Ab April 2026 können unsere Projektmaterialien rund um Bewegung und Positionen unter der Geburt auch hier runterladen werden.
Ergebnisse aus der ersten Studienphase
Obstetric interventions‘ effects on the birthing experience (BMC Pregnancy and Childbirth, 2024): https://link.springer.com/article/10.1186/s12884-024-06626-5
Birthing positions and mother`s satisfaction with childbirth: a cross-sectional study on the relevance of self determination (Archives of Gynecology and Obstetrics, 2025): https://link.springer.com/article/10.1007/s00404-024-07770-1
Exploring the influence of medical staffing and birth volume on observed-to-expected cesarean deliveries: a panel data analysis of integrated obstetric and gynecological departments in Germany (The European Journal of Health Economics, 2025): https://link.springer.com/article/10.1007/s10198-024-01749-0
Making sense of fundal pressure: A qualitative study on women's experiences of a non-evidence-based yet commonly practiced intervention (Archives of Gynecology and Obstetrics, 2025): https://link.springer.com/article/10.1007/s00404-025-08130-3
















