Neuro-Urologie
Die Neuro-Urologie beschäftigt sich mit Blasenfunktionsstörungen, die durch eine Schädigung der zuführenden Nervenbahnen ausgelöst werden. Der Ort der Schädigung kann im Beckenbereich, im Rückenmark oder auch im Gehirn liegen. Eine Vielzahl von Erkrankungen kann hier ursächlich sein, z.B. Unfälle und Verletzungen (Querschnitt), Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson, Diabetes mellitus. Für die Betroffenen kann dies zu Inkontinenz führen oder auch zur Unfähigkeit, die Blase richtig zu entleeren. Wiederkehrende Infektionen sind häufig die Folge und bergen wiederum die Gefahr der weiteren Schädigung von Blase und Nieren.
Die Neuro-Urologie greift frühzeitig in die Behandlung der Patienten ein, um den häufig chronischen Verlauf der Erkrankungen günstig zu beeinflussen und Folgeschäden zu verhindern. Hierzu steht in der Universitätsklinik Bonn umfangreiche moderne Ausstattung zur Verfügung, mit der alle erforderlichen diagnostischen Untersuchungen und gängigen Behandlungsmethoden durchgeführt werden können. Im Rahmen des interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenzentrums bestehen darüber hinaus Kooperationen mit weiteren Kliniken, so dass spezielle Fälle jederzeit gemeinsam besprochen und behandelt werden können.
Harn- und Stuhlinkontinenz, also die fehlende Fähigkeit, den Blasen- und /oder Darminhalt sicher zu speichern, ist auch noch heute ein Tabuthema, über das die Betroffenen oft selbst mit ihrem Hausarzt nicht reden. Nach Schätzungen der Deutschen Kontinenzgesellschaft e.V. leiden in Deutschland mehr als 6 Millionen Menschen an einer Inkontinenz. Inkontinenz kann durch Blasen- und Darmprobleme, die Schwächung des Beckenbodens sowie durch neurologische und internistische Erkrankungen bedingt sein. Auch Unfälle, Operationen oder Bestrahlungen können Ursache von Inkontinenz sein.
Inkontinenz geht nicht selten mit erheblichen psychosozialen und finanziellen Problemen einher. Die Betroffenen neigen dazu, sich zurückzuziehen. Diesen Menschen eine Anlaufstelle und kompetente Hilfe anzubieten, hat sich die Neuro-Urologie, in enger Kooperation mit der Gynäkologie, Chirurgie und Neurologie, am Bonner Universitätsklinikum zur Aufgabe gemacht. So können z.B. auch Senkungen des Beckenbodens oder Enddarmerkrankungen, welche häufig zusammen mit Inkontinenz auftreten, interdisziplinär behandelt werden. Ein besonderer Schwerpunkt besteht in der Versorgung von Patienten mit neurologischen Grunderkrankungen.
Wir behandeln Sie bei folgenden Indikationen:
- Neurogen bedingte Funktionsstörungen der Blase insbesondere bei Inkontinenz nach/bei:
- Querschnittlähmung
- Multiple Sklerose
- Morbus Parkinson
- Schädelhirntrauma
- Schlaganfallerkrankungen
- Demenzerkrankungen
- Inkontinenz der Frau bei verschiedenen Pathologien des Beckenbodens
- Inkontinenz beim Mann nach/bei:
- Schließmuskelverletzung
- Operative Eingriffe im kleinen Becken (z.B. radikale Prostatektomie)
- Interstitielle Zystitis/Syndrom der schmerzhaften Blase
- Neurogen bedingte Sexual- und Fertilitätsstörungen
Zur Abklärung Ihrer Beschwerden stehen uns folgende diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Video-Urodynamik zur Klassifikation der Harninkontinenz und der Blasenfunktionsstörung mit Uroflow und Beckenboden-EMG
- Urodynamischer Messplatz zur Cystometrie und Urethradruckprofilmessung
- Uroflowmetrie mit oder ohne Beckenboden EMG
- Urindiagnostik
- Sonographie des Harntraktes und intrarektale Sonographie (TRUS)
- Intravaginale und perineale Ultraschalldiagnostik bei Frauen
- Starre und flexible Video-Endoskopie
Folgende Behandlungsverfahren können wir Ihnen anbieten:
Konservative Verfahren
- Medikamentöse Therapie
- Anleitung zum sauberen Einmalkatheterismus
- Darmmanagement
- Magnetstimulationstherapie
- Beckenbodentraining mit Biofeedback
- Computerunterstütztes Biofeedback-Training (auch bei Kindern)
- Video-endoskopisch unterstütztes Training des Harnblasenschließmuskels
- Sonographisch unterstütztes Training der Beckenbodenmuskulatur
- Funktionelle Elektrostimulation des Beckenbodens
- Intravesikale Elektrostimulation
- Instillationsbehandlung der Harnblase
- Instillationstherapie bei interstitieller Zystitis
Minimal-invasive Verfahren
- Neuromodulation und Neurostimulation
- Harnröhrenunterspritzung
- Injektionsbehandlung der Harnblase mit Botulinumtoxin
- Injektionsbehandlung des Schließmuskels mit Botulinumtoxin
- Injektionsbehandlung der Prostata mit Botulinumtoxin
Operative Verfahren
- Alle gängigen Eingriffe am Beckenboden bei Senkung und Inkontinenz
- Implantation spannungsfreier Bänder und vaginaler Netze zur Inkontinenzund Prolapschirurgie bei der Frau
- Implantation von Minibändern (SIS) in Lokalanästhesie bei der Frau
- Implantation suburethraler Bänder beim Mann mit Belastungsinkontinenz
- Blasenerweiterungsplastiken
- Implantation artifizieller Sphinkter (künstlicher Schließmuskel)
- Akute und subchronische sakrale Nervenstimulation (PNE-Testung)
- Chronische sakrale Nervenstimulation mit Implantation sog. Blasenschrittmacher
Gerne können Sie sich einen Behandlungstermin über unsere Online-Terminanfrage vereinbaren. Für Fragen zur Diagnostik oder Therapie stehen wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung:
PD Dr. med. Stephanie Knüpfer
Sektionsleitung
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Dr. Anke Jäkel
Fachärztin
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